* Blumenpuste

Annakdoten aus dem Alltag

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Grüne Dreckhände

„Ach Anna.“ Wenn dieser Satz in meiner WG fällt, kann man sich zu 16% sicher sein, dass dieser Seufzer mir und der mich umgebenden Flora gilt. Ich biete durchaus auch andere Anlässe zum Seufzen, sodass es alternativ ein seltsames Erlebnis, einen schlechten Wortwitz oder ein aufgeschobenes Projekt betreffen könnte. In diesem Fall jedoch die Pflanzenwelt.

Mein Verhältnis zu Pflanzen ist recht ambivalent. Ich mag sie sehr und bin gern von ihnen umgeben, idealerweise aber unter freiem Himmel. Denn wenn sie nicht in freier Wildbahn wachsen, sondern von mir angepfanzt oder gepflegt werden, kann es schlichtweg sein, dass ich sie vergesse.

Dabei habe ich meine ersten Pflanzerfahrungen bereits sehr früh gemacht, als mein Opa für jeden von uns Kindern ein kleines Beet im Garten umgegraben hatte. Wir pflanzten darauf Erdbeeren an – wobei ich stark vermute, dass sich in Wirklichkeit mein Opa darum gekümmert hat, damit wir auch tatsächlich etwas ernten konnten.

Seitdem ist einige Zeit vergangen und ich versuche, mich selbst um meine Pflanzen zu kümmern. Ich sah diverse Töpfchen kommen und gehen, und widerlegte meine Theorie, dass die Pflanzen, die mir geschenkt werden, überleben. (An dieser Stelle eine Schweigeminute für Georg George I – III, ihr habt lange durchgehalten).
Besonders für meine grün bedaumten Mitbewohner gibt es Anlass zum Seufzen, wenn ich mal wieder mit einer vertrockneten Pflanze in der Hand im Türrahmen erscheine. Ich kann mir daraufhin anhören, ob es diesmal wohl zu viel Wasser, zu wenig Wasser, zu wenig Schatten, zu wenig Dünger oder die falsche Erde war.

Nachdem im letzten Jahr die meisten meiner gekauften Balkonblumen gelitten hatten, und auch Koriander, Currykraut und Oregano kläglich verendet sind, beschloss ich im Frühling: „Dieses Jahr pflanze ich einfach Wildblumen an.“ Aus der Ecke vernahm ich ein: „Du weißt schon, dass man die auch gießen muss, oder?“
Bei so viel Vertrauen und nett gemeinten Ratschlägen kann dieses Jahr ja nichts mehr schiefgehen. Ich gieße also meine Pflanzen, so ich denn da bin, und warte geduldig darauf, dass ein gewisser Anteil davon eingeht. Man hat ja schließlich so seine Erfahrungen.

Ich glaube sowieso, dass der „grüne Daumen“ ein Fehler in der Überlieferung ist. Die Person möchte ich erst einmal sehen, die mit nur einem Daumen in der Erde buddelt, der davon nicht dreckbraun wird, sondern grün. Wenn wir also anfingen, stattdessen von „grünen Dreckhänden“ zu sprechen, wäre das ganze Pflanzunterfangen ein wenig realistischer: Manche Pflanzen werden grün, manche Pflanzen werden braun. Und das ist ja zumindest bei Kokosnüssen ein anstrebenswerter Zustand.

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Anm. d. Red.: Die Rückmeldung aus der WG zum Beitrag: „Aber Kokosnüsse sind doch Früchte und keine Pflanzen!“

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