* Blumenpuste

Annakdoten aus dem Alltag

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Ein Albtraum

bib3Die Bachelorarbeit ist das ruhmreiche Finale der Studienzeit. Sie gilt als Beweis, dass man etwas gelernt hat und selbständig wissenschaftlich arbeiten kann. Die Bachelorarbeit kann aber auch zu einem gravierenden Tiefpunkt werden. – Was war passiert, dass ich einen Film geschaut habe, und mir die simple Frage „Are you okay?“  Tränen in die Augen getrieben hat?
 
Die Arbeit hat mich so beansprucht, dass ich die meisten Termine absagt habe, um mich voll auf sie konzentrieren zu können. Ich habe mich von der Außenwelt abgeschottet, von Freunden, von meinen Routinen, von dem, was mir nicht gut tat und von dem, was mir gut tat.
Die Arbeit hat mich so blockiert, dass ich vor meinem Laptop saß und nicht schreiben konnte. Wenn ich keinen Laptop, sondern nur Bücher dabei hatte, habe ich aus dem Fenster gestarrt.
Die Arbeit hat mich krank gemacht. Nachdem ich wieder halbwegs auf den Beinen war, kam der Rückschlag. Ich lag tagelang im Bett, habe geschlafen und war frustriert.
Die Arbeit hat mich ermüdet. Ich bin morgens mit Kopfschmerzen aufgewacht, habe eine Tablette genommen und bin wieder schlafen gegangen. An manchen Tagen habe ich nachts 11 Stunden und tagsüber 6 Stunden geschlafen. Und das, obwohl ich sonst nie Mittagsschlaf mache. Ich habe lange nicht mehr so viel geschlafen, wie im Mai, und war lange nicht so müde, wie im Mai.
 
An einem Morgen wachte ich auf und schaute rüber zu meinem Schreibtisch, zum gesammelten Chaos der letzten Wochen. Wenn ich abends nach Hause kam, packte ich Bücher aus und lud neue Bücher in den Rucksack. Daraus war ein ganzer Stapel entstanden, Bücher aus verschiedenen Fachrichtungen schauten mir entgegen. Und ganz unten, am Boden, klemmte mein Terminkalender. Mein Kalender, mit der ironischen Aufschrift „Meine Zeit“. Da lag meine Zeit, erdrückt von der Bachelorarbeit, und wünschte mir einen guten Morgen.
 
Dann nahte das Ende. Ich musste mich entscheiden, ob ich aufgebe oder weitermache. Die Produktivität, die normalerweise bei Hausarbeiten kurz vor der Abgabefrist einsetzte, blieb aus. Es war keine Motivation mehr da. Ich hatte seit einem halben Jahr an verschiedenen schriftlichen Arbeiten gesessen und konnte einfach nicht mehr. Eines Nachts saß ich um 3 Uhr am Laptop und suchte auf Google die Anzeichen für einen Burnout. Tatsächlich konnte ich hinter jedes Symptom ein Häkchen setzen. „No, you don’t have to wear your best fake smile, don’t have to stand there and burn inside,  if you don’t like it“ sang James Bay in diesem Moment. Aber was dann?
 
Aufgeben fühlte sich nicht richtig an und der Abgabe-Freitag rückte näher. So arbeitete ich Dienstag auf Mittwoch, Mittwoch auf Donnerstag die Nacht durch. Donnerstag schrieb ich eine Spanischprüfung, die ich lächerlicherweise besser als die meisten anderen bestanden habe. Donnerstagabend wollte ich den Schlussstrich ziehen. Aber die Arbeit hat nicht einmal mich überzeugt, sodass ich beschloss, noch eine Nacht durchzuarbeiten. Ich wusste zwar nicht mehr, woher ich die Kraft nehmen sollte. Ich war so müde, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte, was ich in der Arbeit geschrieben hatte.
 
Doch zuerst war eine Pause dran. Die meisten Geschäfte hatten schon geschlossen, daher kaufte ich einen Döner, setzte mich auf den Boden an eine Hauswand und streckte meine Beine von mir. Mir war schlecht, und meine Arme fingen an zu zittern, aber ich musste ja irgendetwas essen. Seltsamerweise war das einzige, was in dieser Situation noch gut funktioniert hat, die Selbstreflektion, und mein eigenes klägliches Bild kam mir so absurd vor. Das war also die glorreiche Bachelorstudentin, die dort an der Hauswand lehnte, zu schwach, sich selbst zu halten.
 
Zurück in der Bibliothek beschloss ich, dass ich dringend Schlaf brauchte und fuhr nach einer Weile nach Hause. Aber mein so gestresster Körper konnte nicht einmal in dieser Situation schlafen. Ich arbeitete also weiter. Morgens um 6 Uhr musste ich zur Arbeit fahren, deswegen schickte ich die Bachelorarbeit einer Freundin, die sie zum Copy Shop brachte. Zu allem Überfluss vergaß ich mein Handy zu Hause, so dass ich nicht kontrollieren konnte, ob alles klar ging. Dass alles klar gegangen war, merkte ich, als ich das gedruckte Exemplar später abholte und zum Prüfungsamt brachte.

Als ich am Nachmittag von der Arbeit nach Hause kam, zitterten meine Arme immer noch unkontrollierbar. Essen war auch noch keine gute Idee. Und statt ins Bett zu gehen, schlossen sich noch anderthalb Tage Hochzeit an.

Es war ein Albtraum, den ich nicht schönreden kann, obwohl mir das sonst ziemlich leicht fällt. Ehrlich gesagt, hat es mich in dieser Situation sehr zynisch gestimmt, wenn mir jemand gesagt hat, dass ich das schaffe und dass das bestimmt alles nicht so schlecht ist, wie ich denke. Doch, das war es. Es war schrecklich schlecht und ging nicht zu ändern. (Trotzdem bin ich dankbar für alle, die sich um mich gekümmert haben. Aber das wäre/wird ein anderer Blogpost.)

Ich habe viel über die Bachelorarbeit nachgedacht. Wenn es schon schlecht kommt, sollte man wenigstens etwas daraus lernen. Ich wünschte, mir hätte jemand gesagt, dass es okay ist, zu scheitern. Nein sagen fällt so viel einfacher, wenn mir jemand zusichert, dass ich das auch darf. Das werde ich von jetzt an auf jeden Fall tun: Andere im Scheitern unterstützen. Gewinnen ist wirklich nicht der Normalfall, denn es kommt so oft anders, als gedacht. Die Erwartungen, die andere und wir in diesem Wirrwarr an uns selbst haben, sind belastend genug. Vielleicht können wir durch ein wenig Ehrlichkeit und Offenheit zum Scheitern entspannter an Dinge herangehen. Denn es ist dem Leben komplett egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Es geht ja sowieso weiter.

Schiffe versenken

Schiffe versenken und Multiple-Choice-Klausuren sind sich gar nicht so unähnlich. Man hat ein Blatt und einen Stift und setzt Kreuzchen. Ob man eine Flotte oder die Klausur versenkt, ist meist dem Zufall überlassen. Strategien gäbe es für beide Fälle, aber ehrlich gesagt gehe ich meistens unvorbereitet in die Schlacht. Das nenne ich: Learning (dass man aus seinen Fehlern lernen könnte) by doing.

klausur

Randgruppe o.V.

randgruppe

„Erziehungswissenschaft. Aha. Und was machst du dann damit?“ Leider kann ich euch keinen Bilderbuchberuf nennen, wie Arzt, Bauer, Lehrer oder Handwerker, und es wird bei Activity ziemlich schwer werden, durch Pantomime darzustellen, was das für ein Beruf ist.
Theoretisch werde ich im sozialen Bereich pädagogisch tätig sein und das, soweit es möglich ist, mit Schreiben und Musik verbinden. Damit habe ich die beruflichen Randgruppen „Sozialarbeiter“ und „Künstler“ so ziemlich genau getroffen. Aus gegebenem Anlass habe ich die „Randgruppe o.V.“ gegründet, die ich nach Abschluss des Studiums leiten werde. „ohne Verein“ weil es keinen Verein gibt. In meiner Randgruppe werde ich zudem als Verteidigungsministerin arbeiten, denn ich lernte heute:

„Wissenschaft ist als großer Krieg organisiert.“

Ihr seht, dass ich eine spannende Zukunft mein Eigen nennen darf. Sagt Bescheid, wenn ihr kein Mitglied in der Randgruppe o.V. werden wollt. Der Beitritt als Nicht-Mitglied ist gebührenfrei. Die inhaltliche Richtigkeit der aufgeführten Aussagen ist zu überdenken.

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