* Blumenpuste

Annakdoten aus dem Alltag

Archiv für das Schlagwort “Stress”

Sei kein Frosch

Stürmisch wirbelt der Wind alles durch die Luft, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Sonne scheint nur matt durch das Grau, an dem die Wolken vorbeijagen. Es ist ein nass-trüber Morgen im Dezember.

Ein kleiner Spatz klammert sich an den Rand der Metallschale, die als Vogeltränke auf dem Balkon steht, und beugt sich nach unten, um zu trinken. Seine Federn flögen ihm nur so um die Ohren, wenn er denn welche hätte. Nun sieht er einfach nur aus wie ein Federball. Aufgeplustert, durchgelüftet, vom Winde verweht. Wieder und wieder beugt er sich nach unten, nimmt etwas Wasser in den Schnabel und richtet sich wieder auf, um das Wasser zu schlucken.

Seht euch die Vögel unter dem Himmel an, sagt die Bibel. Mein Zimmer bietet mir einen Logenplatz dafür. Obwohl wir so hoch oben wohnen, flattert es nur so vor unseren Fenstern. Neugierige Meisen, Spatzen, Hausrotschwänze, Rotkehlchen hüpfen immer wieder über den Balkon, auf der Suche nach Wasser, Nahrung und einem Ort zum Verweilen.

Wie oft schon saß ich da, machte mir große Gedanken über kleine Angelegenheiten, oder ging Riesenberge in Babyschritten an, als mir einer der Vögel durch das Bild sprang. Seht euch die Vögel unter dem Himmel an, sagt die Bibel. Sie säen nicht, sie ernten nicht, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Und tatsächlich, wenn ich sie mir so ansehe, diese kleinen Wesen, bringen sie mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Weniger ist mehr. Weniger haben, weniger müssen, weniger tun. Natürlich gehört zu einem Menschenleben doch etwas mehr dazu, als trinken, futtern und einen kleinen Verdauungsklecks auf der Parkbank zu platzieren. Wir sind keine Spatzen.
Und doch sind wir versorgt. Wenn wir all unser Müssen beiseite lasse, alles Sorgen für das Weihnachtsfest, und ob alles gut und richtig und pünktlich und festlich … dann können wir sehen, dass die Welt sich auch so weiterdreht. Dass es Weihnachten wird, egal, ob ein Braten auf dem Tisch steht, oder Butterbrot. Wenn Gott selbst die Spatzen versorgt, wie viel mehr wird er mich versorgen.

Sei kein Frosch und sei ein Spatz. Sei einfach mal da in der Einfachheit des Lebens. Geh spazieren und lass dein Handy zu Hause. Mach ein Nickerchen, einfach, weil du es kannst. Bereite dein Essen zu, als ob es das einzige wäre, was diesen Tag spannend macht. Sitz einfach da und schau in die Welt hinaus. Trink ein Glas Wasser Schluck für Schluck. Lass die Arme im Wind kreisen und fühl dich frei. Finde ein paar Vögel und beobachte sie.

Der Spatz hüpft rüber zum Geländer, schaut nach rechts, schaut nach links. Dann schwingt er sich auf in die Lüfte, wo er von der nächsten Windböe erfasst wird. Er fliegt weiter, vielleicht zum nächsten Baum, vielleicht auf eine Wiese. Er fliegt jedenfalls nicht in die Stadt zum Einkaufen und Weihnachtsstress.

Adventsstress [8]

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Stell dir vor, es wäre Stress, und keiner ginge hin.
Stell dir vor, es wäre Advent, und du hättest Zeit.
Zeit, um Plätzchen zu backen und zu essen.
Und jedes letzte Plätzchen gefolgt sein zu lassen von noch einem, und noch einem.
Plätzchen zum Verweilen, einen Ort zum Verstecken, und Raum, die Welt zu entdecken.
Raum zum Einnehmen, Platz zum Sein, und dir deiner Örtlichkeit bewusst zu werden.

Stell dir vor, du könntest Raum und Zeit als Chancen sehen.
Portioniert, gegeben, nicht im Überfluss, und doch fließend.
Stell dir vor, deine Füße stünden auf weitem Raum,
dein Herz schlüge in Ewigzeit.

Stell dir vor, niemand hätte dir je den Floh ins Ohr gesetzt, dass die Adventszeit vollgestopft und chaotisch sei.
Stell dir vor, du würdest jeden Morgen erwartungsvoll deine Tür öffnen,
so wie früher, als du gespannt das nächste Türchen an deinem Adventskalender geöffnet hast.
Stell dir vor, du könntest es kaum erwarten, mit dem Öffnen deiner Schlafzimmertür am Morgen die Überraschung zu entdecken, die dieser neue Tag für dich vorbereitet hat.

Stell dir vor, du würdest dich weigern, gestresst zu sein,
weil dir mit jedem neuen Tag 24 neue Stunden geschenkt sind.
Wie 24 Türchen, 24 Tage im Advent, 24 Tage Warten auf Weihnachten.
Es ist Zeit, die wir haben, und Zeit, die vergeht.
Zeit, die gefüllt wird.
Von manch festgelegten Routinen und Aufgaben.
Von frei wählbaren Aktivitäten.

Stell dir vor, du würdest dein Hauptaugenmerk auf die Zeit richten, die dir gegeben ist.
Die Momente, die deinen Tag wertvoll machen.
Auf den Freiraum in deinem Alltag, den du füllen kannst.
Mit Menschen, mit Gesprächen, mit Ruhe und warmen Socken.
Stell dir vor, dir würden vor Fülle die Augen übergehen.
Vor Dankbarkeit, vor Gnadenzeit.
Wäre das nicht schön?

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Dieser Weihnachtscountdown ist der Nachfolger des Countdowns von 2015, mit großartig-amüsanten Einträgen, die hier nachzulesen sind.

Lagebericht

Wenn ich mich so umschaue, bemerke ich, dass sich nicht viel geändert hat im Vergleich zu vor einem Jahr (->). Außer, dass mein Zimmer 15 km weiter nach Südosten gewandert ist und ich jetzt weiß, wo der Schneeschieber zu finden ist.

Es ist wieder Ende November, die Woche zwischen den zwei Sternstundencamps. Im vergangenen Monat hat es mir bestimmt 23 mal in den Fingern gekribbelt, weil ich einen Blogeintrag schreiben wollte. Da warten so viele Fotos, Geschichten, Gedanken. Und bestimmt 23 mal waren andere Dinge wichtiger.

Ich warte schlicht und einfach auf bessere Zeiten. Aber nächstes Jahr werde ich dabei mein Handy ausschalten. Denn beim Warten auf bessere Zeiten kommen… Anrufe. In meinem Kopf ertönen gerade die ersten 5 Takte Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie in c-Moll op. 67. Ein Allegro con brio. Und das ist nicht mein Handyklingelton.

Während ich also schicksalhafte Melodien in meinem Kopf höre, denkt sich der Rest meines Gehirns seinen Teil und stellt Unfug an. Es verdreht Sätze, lässt mich beim Reden über kompliziert auszusprechende Wörter stolpern und meine Augen immer wieder zufallen, während der Professor über Motivationsprobleme in der Soziologie redet. Zufall.

Ich sitze nicht auf gepackten Koffern, denn morgen nehme ich einen Rucksack mit. Aber ich hoffe, unterwegs meine Vernunft wiederzufinden. Und Zeit. Zeit, für Blogeinträge.

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