* Blumenpuste

Annakdoten aus dem Alltag

Archiv für das Schlagwort “Freundschaft”

Geschichten aus der Nase bohren

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„Ich habe aber nichts zu erzählen.“

Es war ein warmer Nachmittag im Juni, den wir gemeinsam am See verbrachten. Da ich wenige Leute kannte und das den anderen ähnlich zu ergehen schien, fing ich ein paar Gespräche an.

Da tauchte er auf, allen bekannt und von vielen gefürchtet: Der Smalltalk. Der Schwatz zwischen Tür und Angel, zwischen „eigentlich habe ich keine Lust, über so banale Dinge zu reden“ und „wie soll man sich aber sonst kennenlernen?“. Natürlich, es kann ganz interessant sein, zu erfahren, was XY beruflich macht. Oder was YZ über den Sonnenschein denkt. Aber auch ein kleines Geplauder möchte einmal groß werden. Vom Smalltalk sollte irgendein Weg zu tiefgründigen Gesprächen führen.

Ich schlage diese Brücke gern mit der Aufforderung „Erzähl mir einen Schwank aus deiner Jugend!“, denn es ist spannend, Leute durch Geschichten kennenzulernen. Und so fragte ich also auch an diesem Nachmittag nach den Erlebnissen der anderen.
Da entgegnete mir jemand: „Ich habe aber nichts zu erzählen.“ – In diesem Moment fiel mir doch glatt die Kinnlade meines geistigen Auges herunter. Wie konnte jemand behaupten, er habe keine Geschichten, die er mit uns teilen konnte?

Unser Leben steckt voller Geschichten. Da gibt es die nicht ganz so spektakulären Geschichten vom Wäsche waschen, vom Briefkasten leeren, vom Tee trinken und von der Aldi-Werbung. Die schon etwas brisanteren Geschichten vom verbrannten Toast, dem Loch in der Socke, der Begegnung in der Straßenbahn und dem überraschenden Regenschauer. Und als Sahnehäubchen die Geschichten von einzigartigen Momenten und Menschen.

Deine Geschichte. Deine Geschichten. Die sind es wert, erzählt zu werden, weil sie dich zu der Person machen, die du bist. Egal, ob sie Jahre alt sind, oder erst gestern passiert.

Heute morgen saß ich gemütlich an einem reich gedeckten Küchentisch ein paar Straßen weiter, als ich versehentlich sagte, dass man manchen Menschen die Geschichten aus der Nase bohren müsse. Dabei habe ich wohl versehentlich „nachbohren“, „etwas aus der Nase ziehen“ und „in der Nase bohren“ in einen Topf geworfen.
Und obwohl ich nicht beabsichtige, Leute mit 3 extra Nasenlöchern zurückzulassen, nachdem ich sie gelöchert habe, so glaube ich doch, dass sich die Mühe lohnt. Die Mühe, den Kleintalk hinter sich zu lassen, um Schritt für Schritt und Loch für Loch zu erfahren, welcher Mensch hinter diesen Geschichten steckt. Die Mühe, zu erfahren, welche Geschichten dein Leben erzählt.

Ich bin mir sicher, dass es im Notfall auch ein Schraubendreher tut.

Menschen auf dem Weg [3]

DSC_0826Ich habe eine Tradition zum Jahreswechsel. Ich reflektiere das vergangene Jahr und blicke vor auf das kommende Jahr, indem ich einen Fragebogen durchgehe. Dazu gehört unter anderem auch die Frage, welche Menschen mein Leben betreten haben und von welchen Menschen ich mich verabschiedet habe. Es hilft mir definitiv dabei, bewusster zu leben.

Mit dem Umzug nach Freiburg ließ ich einige Menschen zurück. Menschen, die mich über Jahre hinweg begleitet und geprägt haben. Freunde und Freundinnen, Kommilitonen, Bekannte, Mentoren, Unterwegsler, Wegbegleiter. Und bei manchen „Abschieden“ stand die Frage im Raum, wie lange man noch in Kontakt stehen würde und ob es wirklich die Freundschaften waren, die ein Leben lang halten werden. Denn auch, wenn man sich immer mal wieder sieht, gehen die Lebenswege doch getrennt weiter.

Mit dem Umzug betrat aber auch eine Menge neuer Menschen mein Leben. Manche kamen einfach so in die Wohnung spaziert, andere musste ich selbst suchen. Es gab diese seltsamen Momente, in denen ich zaghaft lächelnd am Rande des Geschehens stand, hin- und hergerissen zwischen Bleiben und Gehen. Da war dieser Moment, als ich das erste Mal seit langer Zeit jemanden auf Facebook hinzugefügt habe, mit dem ich noch keine gemeinsamen Freunde hatte. Das leise Betreten neuer Netzwerke, ein vorsichtiges Sondieren von Dynamiken, das Überprüfen von Passform und Sitzgenauigkeit.

Am Ende des Jahres zu sehen, wie viele neue Persönlichkeiten mein Leben bereichern, lässt mich staunen und dankbar werden. Für die Menschen, die sehen, dass ich einen schlechten Tag hatte und sich mit den Worten „Okay, ich frag nicht weiter“ aus dem Staub machen. Die anfangen, mich Frau Blume zu nennen. Bei denen ich in der Ecke krümeln darf, wenn ich eine Pause von der Welt brauche. Die mich fördern und fordern. Die mir beim Wichteln u.a. einen alten Schuh vom Straßenrand überreichen, weil sie wissen, dass ich darüber lachen kann. Die mich wirklich schnell kennengelernt haben.

Und schließlich gibt es die Wahnwitzigen, die kamen und sahen und nie wieder gingen. Deren Lebenswege meine gekreuzt haben und die trotz aller Entfernungen und Turbulenzen immer wieder neue Geschichten mit mir schreiben. Denen gebührt ein Universaldankeschön.

Für die Menschen dankbar zu werden, die mit mir auf dem Weg sind, hat seinen Platz an der Weihnachtskrippe. Dort sehen wir nicht nur das Kind, das kam, um mit uns zu sein und Anteil an unserem Leben zu haben. Wir sehen ein Kind umringt von Menschen: Der eigenen Familie, Bekannten, Unbekannten aus Fern und Nah. Ein Leben in Gemeinschaft und Jüngerschaft. Wir sehen ein Kind, das Generationen und Traditionen verbindet, das vereint und Unterschiede überwindet. Ein Kind, das Freundschaft und bedingungslose Versöhnung vorlebt. Einen Menschen, der allen Grund dafür gibt, gemeinsam auf dem Weg zu sein.

 

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Mehr vom (unvollständigen) Weihnachtscountdown gibt es hier nachzulesen.

Kontakte knüpfen

17776846_10212299802435941_1616549618_o„Willsch connecten, dann komm JETZT mit!“ Ich saß hungrig am Tisch und schnippelte einen Salat zum Abendessen, als mein Mitbewohner nach Hause kam. Ob ich „connecten“ wolle? Natürlich! In einer neuen Stadt kann man nie genug neue Kontakte haben. Aber ich hatte schon das Mittagessen übersprungen, wie konnte ich jetzt auch noch mein Abendessen liegen lassen?

5 min später rannte ich die Treppe runter, Käsebrot in der einen Hand, Fahrradlampe in der anderen. 5 später saß ich auf dem Fahrrad, Käsebrot in der einen Hand, Lenker in der anderen, Mund voller Brot. So rasten wir die Straßen entlang zur Innenstadt, weil wir sowieso spät dran waren. Der Salat durfte den Abend im Kühlschrank verbringen.

In einer neuen Umgebung anzufangen, braucht Spontanität. Ohne Alltag und Routinen ist sie eine gefragte Fertigkeit, denn man weiß oft gar nicht, was der Tag bringt. Meine Mitbewohner schulen mich sehr darin, weil sie mich dankbarerweise oft einladen, mitzukommen – in die Bar, zum Wandern, ins Kino, zum Hauskreis, zum Spieleabend. Diese Art von Kontakte knüpfen gefällt mir außerordentlich gut, denn sie verlangt mir nur Spontanität ab.

Die andere Variante, selbst loszuziehen und Kontakte zu knüpfen, ist nicht ganz so einfach. Wenn ich eins über meine Persönlichkeit sicher sagen kann, dann dass ich introvertiert bin. Damit einher geht meine Angst vor großen Gruppen. Wenn man mich  heute morgen in der Gemeinde beobachtet hätte, hätte man Folgendes sehen können:

Der Gottesdienst ist aus. Ich schaue mich um. Alle reden. Flucht ins Foyer. Auch dort: Alle sind in Gespräche verwickelt. Vorübergehende Flucht auf die Toilette. Vielleicht finde ich ja danach jemanden zum reden. Foyer Teil 2: Alle reden, nur nicht mit mir. Ich schleiche mich rüber zur Kaffeeecke, auch wenn ich dabei die Befürchtung habe, dass ich dann weitere 5 min ohne Gesprächspartner dastehe – nur eben mit einer Kaffeetasse zum Festhalten. [Hier ein wehmütiger Vermiss-Schluchzer für die USA – nicht alleine dastehen war nie leichter als dort.]

Ich meide Gruppenveranstaltungen so oft es geht, weil sie für mich nur Stress bedeuten. Sie sind erträglich, wenn ich einen Backup-Freund dabei habe, mit dem ich reden kann, falls sich sonst niemand findet. Vielleicht sollte ich mir als Alternative ein großes Schild umhängen, auf dem steht: „Suche Kontakte, sprecht mich an!“
Selbst wenn man Person XY gefunden hat, die sich auch gelangweilt an der Wand herumdrückt, dann steht einem Smalltalk bevor. Uuuuh. Smalltalk. Muss ich mehr dazu sagen?

Wenn sich neben einer spontanen Kontaktaufnahme noch mehr entwickeln soll, muss man irgendwann die Hosen runterlassen. Ein oben beschriebenes Schild wäre sehr offensichtlich, aber das hat man ja selten in der Tasche. Nur irgendwie muss man den Leuten ja signalisieren, dass man auf der Suche nach Anschluss ist. Ich muss „connecten“, ich muss neue Leute fragen, ob sie Lust hätten, mal etwas gemeinsam zu unternehmen. Ich muss mich „bedürftig“ zeigen, was mich verletzlich macht. Müssen muss man gar nichts, aber wenn ich mich zu meinem eigenen Glück zwinge, muss ich mir schon ein bisschen in den Hintern treten. Ich muss aus dem Schneckenhaus rauskriechen und langsam den Berg zu neuen Freundschaften hochkriechen.

Was ich dann auch gemacht habe. Mit der Kaffeetasse bewaffnet habe ich 3 Telefonnummern und eine Verabredung für morgen ergattert. Dann hat mein introvertiertes Selbst am See durchatmen können.

Bedürnisse zeigen und spontan bleiben. Verletzlich und aufmerksam sein. Auf der Suche bleiben und nicht aufgeben. Zur Not auf die Toilette fliehen. Neue Kontakte feiern. Wachsen und sich nach Neuem ausstrecken. Das Leben ist auch in Baden koi Schlotzer, aber es ist eigentlich auch viel schöner, gemeinsam einen Kaffee zu trinken, als sich einen Schlotzer zu teilen.

Freundschaft schließen

DSC_0206So seltsam das klingen mag, aber ich habe heute eine neue Freundschaft geschlossen. Ich hatte eigentlich nur eine angenehme Begleitung fürs Mittagessen gesucht, was sich dann zu einem mehrstündigen Gespräch entwickelt hat. Denn wir fingen an, über den Wert eines Menschen und über Freundschaft zu reden.

Warum sind deine Freunde eigentlich mit dir befreundet? Liegt es daran, dass die Gelegenheit da war und ihr euch irgendwo begegnet seid, in der Schule, in der Freizeit, an der Uni? Habt ihr den gleichen sozialen Hintergrund? Hat es irgendwie gefunkt, ohne, dass ihr viel über die andere Person wusstet? Habt ihr euch für sie entschieden oder habt ihr euch so aneinander gewöhnt, dass ihr irgendwann Freunde wart? Kann man mehr als eine beste Freundschaft haben? Was macht eine beste Freundschaft exklusiv? Und warum ist Freundschaft in Deutschland ein Thema, das mit Fingerspitzen angefasst wird?

Wir Deutschen machen einen Unterschied zwischen Freunden und Bekannten. Man kann Leute auf emotionaler Distanz halten, wenn man sie als Bekannte bezeichnet. Ein Bekannter kann der Busfahrer sein, den man kennt, weil er immer die gleiche Linie fährt. Man kann einen Bekannten aber auch über Jahre mit Namen und Hintergrund kennen, weil man ihn jede Woche in der Kirche oder beim Sport sieht. Man kann mit Bekannten zusammen studieren, gemeinsam in der Mensa essen, abends weggehen und am Wochenende etwas gemeinsam unternehmen.
Das Deutsch-Englisch-Wörterbuch übersetzt „Bekannter“ zu „friend“ (ja, und „acquaintance“). Hier stellen sich dem Deutschen alle Nackenhaare auf. Ein Bekannter ist schließlich kein Freund! Kategorien, wie Kollegen, Kommilitonen und Nachbarn machen einem das Ausweichen vor der Freundschaft sehr einfach.

Was ist das Problem, das wir mit freundschaftlicher Nähe haben? Man kann auch mit Freunden studieren, gemeinsam in der Mensa essen, abends weggehen und am Wochenende etwas gemeinsam unternehmen. Wenn wir ehrlich sind, ist uns der Unterschied auch nicht immer bewusst. Wenn wir noch ehrlicher sind, merken wir, dass wir mit manchen Leuten auch gern befreundet wären, die wir Bekannte nennen. Die Armlänge Distanz, mit der wir andere auf Abstand halten, hält uns doch selbst auf Abstand.

Den Status einer Beziehung, einer Freundschaft, zu adressieren ist ein fragiles Unterfangen. Es macht mich verletztlich, wenn ich jemandem vermitteln will, dass ich gerne mit ihm oder ihr Zeit verbringe. Dass ich gerne mehr Geschichten hören würde. Dass ich kein Problem damit hätte, wenn wir mehr Alltagsabenteuer zusammen erleben würden. Dass ich mich freue, wenn wir uns sehen.

Was uns zurückhält, ist letztendlich nicht die Reaktion der anderen Seite. Wer würde schon antworten „Schön, dass du mit mir befreundet sein willst, ich habe aber leider schon 3 Freunde“ oder „Zeit für Freundschaften habe ich nicht, mein Smartphone geht vor“? Wir dümpeln in dieser Unverfänglichkeit von Bekanntschaft herum, weil wir unsere Bedürfnisse nach Nähe und Freundschaft nicht äußern wollen. Viele Kontakte zu haben und gut vernetzt zu sein gibt mir die Möglichkeit, auf viele Leute zurückgreifen zu können ohne sowas wie „Freundschaft“ aufrecht erhalten zu müssen und ohne Verantwortung zu tragen.

Doch es ist viel schöner zu wissen, dass meine Freunde mich brauchen. Das heißt manchmal auch, dass ich meinen Bekannten sagen muss, dass ich sie brauche. Um Gesellschaft beim Essen und Kaffee trinken zu haben. Um zu lachen. Um albern zu sein. Um in die Tiefe zu gehen. Um Verletzlichkeit zu üben. Denn manche Bekanntschaften wollten längst schon den Titel Freundschaft tragen.  Wir „schließen“ Freundschaften, das klingt nach einem Übereinkommen, über das wir öfter reden sollten.

Zu guter Letzt wäre es schön, wenn ich meine Freunde um ihrer selbst willen bräuchte. Nicht, damit ich etwas bekomme und es mir immer gut geht, weil meine Freunde immer für mich da sind und die Besten sind und yay. Nein. Ich wünschte, ich könnte ihnen durch meine Freundschaft den Wert geben, den sie verdienen. Den Wert, ein Freund zu sein.

Zwischenhalt

Kaum hatten wir einen Fuß vor die Tür gesetzt, sahen wir hinter den Häusern schon dunkle Wolken auf uns zurollen. Dicke Tropfen fielen vom Himmel, der ganz und gar unzufrieden damit zu sein schien, dass wir die Stadt unsicher machten.

Ich habe Anja in Köln besucht, was sich zu einem fröhlichen Abenteuer entwickelte. Wir ließen uns von dem Regen nicht stören, ganz nach Erich Kästner: „Der Humor ist der Regenschirm der Weisen.“
Mit touristischem Eifer und Gedanken über die Bedeutung der Schmierereien an den Wänden stiegen wir die mehr als 135 Stufen (533) auf den Kölner Dom hinauf. Und wieder hinunter, da wir uns leider nicht abseilen konnten. Wir ließen uns treiben, so weit unsere Füße uns tragen konnten, und führten lange Gespräche bei Kaffee, Kölsch oder Keksen.

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Es tat gut, einen Zwischenhalt einzulegen. Eine Station zwischen zwei Orten, die beide irgendwas mit „Zuhause“ zu tun haben. Krefeld und Tübingen. Zwei Tage Zeit, um durchzuatmen. Um Karl-Otto kennenzulernen. Um Pläne zu schmieden. Um dem einsamen Trommler zuzuhören. Um aus dem Leben zu erzählen. Um die Seele freizulachen. Um Eis zu essen. Um über den Flohmarkt zu schlendern. Um von nichts getrieben zu sein. Nicht einmal vom Regen.

Kindsköpfe

Das Leben schreibt die besten Geschichten. Und selten ist man darauf vorbereitet. Ich erhebe nicht den Anspruch darauf, dass meine Geschichten die besten sind. Aber mein Leben kann von vielen bereichernden Situationen erzählen, die ich so nicht erwartet habe.

Am 24. August 2013 erlitt die Welt einen kleinen Schock, als Anja und ich aufeinander trafen. Wir betreuten bei einem Camp auf dem Kirschkamperhof gemeinsam ein Mädelszimmer, und damit fing der Spaß an. Ich bin schon vielen Menschen begegnet, aber mir war nicht bewusst, dass es so eine Ebene der Ähnlichkeit, wie zwischen uns, geben kann. Wir kannten uns kaum und verstanden uns ohne Worte. Ohne Worte, aber meistens nicht ohne Gelächter.

Es folgte eine Woche voll Albernheit und Chaos. Zwei Dumme hatten oft denselben Gedanken, den sie in die Tat umsetzten, und es schien ihnen nicht einmal peinlich zu sein – great minds think alike.

Als wir uns am Wochenende beim Hoffest nach fast einem Jahr wiedertrafen, stellten wir fest, dass sich (bis auf die Haare – das war auch eine Idee aus besagter Quelle) nichts verändert hat. Anja und ich haben immer noch gemeinsame Flausen im Kopf. Wir sind wie wesensverwandte Geister, in deren Herzen das gleiche Kind wohnt. Ein lebensfrohes Kind, das ein wenig ziellos herumläuft, Kaffee verschüttet und „Bombenalaaaarm“ schreit.

Was da los? Und überhaupt: Ich bin dagegen.

Gute alte Zeiten

In meinem Zimmer stehen verschiedene Kisten und Schachteln, die voller Erinnerungen stecken. Briefe, Postkarten, Nachrichten auf Schmierzetteln, kleine Geschenke, wichtige Bibelverse, Fotos. Und jede Kleinigkeit erzählt, wie ich war, was mich verändert, wie ich bin. Identität ist ein Konstrukt aus Vergangenem, und ich freue mich jetzt schon darauf, als Großmutter im Schaukelstuhl an all die Menschen und Abenteuer zurückzudenken, die mein Leben geprägt haben.

Besuche von Freunden sind ein guter Anlass, in Erinnerungen an gute alte Zeiten zu schwelgen und gleichzeitig viele neue Erlebnisse in die Geschichte eingehen zu lassen. Während sich die Welt und die Persönlichkeit nach und nach verändern, ändern sich Erinnerungen nicht. Erlebnisse bleiben Erlebnisse, Albernheit bleibt Albernheit, Insider bleiben Insider, Toruk Makto bleibt Toruk Makto.
Und mit jeder Stunde, die verstreicht, fügen wir der guten alten Zeit eine Episode hinzu. Episoden und Erinnerungen, die die Jahre überdauern.

Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen. (Sir Peter Ustinov)

Eine Truhe voll Kisten

Tag für Tag begegne ich unzähligen Menschen. Da sind Fremde, die ich nur mit den Augen wahrnehme, weil sie mir nur wenige Augenblicke über den Weg laufen. Genauso häufig treffe ich Unbekannte, die mir nicht fremd sind, weil ich sie wiedererkennne, aber nicht kenne, wie die Verkäuferin bei Netto.
Es gibt Bekannte, wie die Nachbarn oder Kommilitonen, die ich grüße, wenn ich sie sehe. Ich kenne ihren Namen und könnte mich mit ihnen unterhalten, weil es Gemeinsamkeiten gibt, die uns immer wieder zu einer Begegnung führen.
Dann treffe ich auch gute Bekannte, mit denen ich mich wunderbar verstehe, aber mit denen ich aus verschiedenen Gründen (Zeit, Entfernung, unterschiedliche Umfelder) keine Freundschaft ausbauen kann. Aber es kann auch sein, dass ich viel Zeit und Leben mit jemandem teile, sodass aus der Bekanntschaft eine Freundschaft wird. Freundschaft ist keine bewusste Entscheidung. Freundschaft ist eine einzigartige Entwicklung.

Ebensowenig entscheide ich mich nicht bewusst dafür, welche Menschen ich im Laufe der Zeit aus den Augen verliere. Das Leben geht weiter und neue Begegnungen füllen es aus. Die Freundschaften hören nicht auf, genau wie sie auch keinen konkreten Beginn haben. Aber sie landen gefühlt in einer Truhe voll Erinnerungen in meinem Herzen. In der Truhe wiederum sind kleine Kisten, für jede Freundschaft eine ganz spezielle. Sie sind voller Erinnerungen, Briefe, Postkarten, Andenken, Fotos oder Insider, und werden hin und wieder geöffnet, wenn ich gedanklich darin stöbere oder eine besondere Begebenheit erzähle. Was für einen Schatz habe ich mit dieser Truhe, die für die wertvollen Menschen steht, die mich zu dem gemacht haben, was ich bin!

Die schönste Eigenschaft der Truhe neben dem Bewahren ist, dass ich sie öffnen kann, um eine Kiste herauszuholen. Die Schachteln sind längst nicht voll und warten darauf, dass ich alten Freunden wieder begegne, um neue Erlebnisse hineinzulegen. In der Truhe ist auch noch Platz für neue Kisten, und ich bin mir sicher, dass sie kommen werden. Ich kann nicht wissen, wo sich unsere Wege kreuzen und wie lange wir miteinander gehen. Ich weiß aber, das Gott Freundschaften supergut findet, weil er uns nicht als Einzelgänger geschaffen hat und sich freut, wenn wir Freunde haben, die uns auf unserem Weg unterstützen. Er stiftet Freundschaften und gibt seinen Segen, damit sie von Dauer sind.

In die ehemalige Heimat zu reisen heißt, die Truhe zu öffnen, Kisten herauszunehmen und hoffentlich für eine Weile draußen zu lassen, wo sie weiter gefüllt werden können.

It well may be That we will never meet again In this lifetime So let me say before we part So much of me Is made from what I learned from you You'll be with me Like a handprint on my heart And now whatever way our stories end I know you have re-written mine By being my friend (Wicked)

It well may be
That we will never meet again
In this lifetime
So let me say before we part
So much of me
Is made from what I learned from you
You’ll be with me
Like a handprint on my heart
And now whatever way our stories end
I know you have rewritten mine
By being my friend
(Wicked)

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