* Blumenpuste

Annakdoten aus dem Alltag

Nachtaufgang

Der Abend hat sich schlafen gelegt
und es wird still rund um die Stadt,
als jeder Fensterladen geschlossen hat.
Nur ganz vereinzelt schallt der Klang
von Autos entlang der Straßen und Gassen.
Saßen eben noch Amseln auf den Dächern,
kriechen jetzt Katzen aus den Löchern
und machen Jagd auf Schatten, Maus und Nachtgetier.
Hier blitzt ein Licht, dann da, dann dort,
als sich über dem Ort die Sterne aus dem Finstern wagen.

Der Abend schläft, die Nacht steht auf,
und mit ihr weitet sich das Sehen.
Ein Hauch Verstehen von fernsten Galaxien.
Das Oben schien viel mehr zu sein,
als Wolken, Wind und Sonnenschein.
Reihen und Ringe, Flecken und Nebel
erwecken die Dunkelheit zum Leben.
So weit entfernt wirkt alles starr,
schaut man nur kurz ins Weltall rauf.
Verweilt man länger, nimmt man wahr,
dass jedem Gestirn ein Lauf zugrunde liegt.
Alles pilgert, alles fliegt.
Der Kosmos umwandert in Bahnen.
Und dann und wann ein Satellit.
Erahnen kann ich die Größe kaum
des Universums, in das ich schaue.

Den Himmel bemalen blaue Töne,
als ob alles Schöne, alles Schlimme,
das der Tag gesehen hat,
im tiefen Meer des Alls versinken
und Erholung finden kann.
Dann meldet sich ganz leise
ein Später auf dieser Reise durch Nacht und Träume.
Über den Bäumen und ihren Wipfeln,
den Wellen der Hügel am Horizont,
verfärbt sich der Himmel, wird heller, betont.
Schneller ziehen die Wolken davon,
als kündigten sie mit Pauken und mit Gong einen Auftritt an.
Von Liedern besungen und Mythen umrankt,
tritt er hervor, gold-glühend,
und dankt dem nächtlichen Spektakel.
Mit hellem Schein und doch bescheiden
bedenkt er sanft die ruhende Welt.
Deckt Freud und Leiden gleichsam zu,
strahlt Frieden aus im Himmelszelt.
Ins Bett schickt er, was noch nicht ruht,
mit seiner runden, vollen Glut.
Der Mond. Der treue, gute Freund.

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Ein Gedanke zu „Nachtaufgang

  1. Jonas Schröter sagte am :

    Anna, schön geschriebene Nachtgedanken.
    Erinnerst du dich noch, was Matthias Claudius hinzufügte zu den Betrachtungen des Nachtaufgangs?

    „Gott, lass uns dein Heil schauen,
    auf nichts Vergänglichs trauen,
    nicht Eitelkeit1 uns freun.
    Lass uns einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

    So legt euch denn, ihr Brüder,
    in Gottes Namen nieder;
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott, mit Strafen
    und lass uns ruhig schlafen
    und unsern kranken Nachbarn auch.“

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