* Blumenpuste

Annakdoten aus dem Alltag

Pfingsten im Gebüsch

IMG_5210

„Entschuldigung, dürfen wir Sie… dürfen wir Sie eine Frage stellen?“ Ich war gerade auf dem Heimweg, im Korb ein paar Blumen vom Wegesrand, im Herzen Musik vom Gottesdienst. Vor mir stand eine Truppe Kinder in allen Formen und Farben, blond, brünett, schwarzhaarig, mit Zahnlücke und Brille, mit langen Haaren und Schramme im Gesicht, von blauäugig bis schwarz, von klein bis groß. Ich brachte mein Fahrrad zum Stehen, wobei ich eigentlich gar keine andere Wahl hatte. Sie standen einfach mitten auf dem Fahrradweg, entschlossen, mich anzusprechen.

„Wir machen einen Flohmarkt, gleich da drüben, und wir würden uns freuen, wenn Sie vorbeischauen würden. Möchten Sie unseren Flohmarkt besuchen?“ 14 Kinderaugen schauten mich erwartungsvoll an. Dieser charmanten Einladung konnte ich also nur folgen. ‚Gleich da drüben‘ hieß hinter einem Erdwall, auf dem weitere aufgeregte Kinder herumhopsten. Dieser Ort wäre perfekt für einen Hinterhalt gewesen, mit Büschen vom Straßengeschehen abgeschnitten, doch stand dort nur ein kleiner Tisch mit allerlei Krimskrams bedeckt. Benutzte Stifte, glitzernde Aufkleber, eine Spielzeugpistole, Sammelkarten, eine Einhornfigur, und was das Kinderzimmer noch so hergegeben hat; dahinter eine kleine Geldkassette. Obwohl ich wirklich gern etwas kaufen wollte, fiel es mir recht schwer, eine Entscheidung zu treffen.

„Unsere erste Kundin!“ hallte es durch das Gebüsch und noch mehr Kinder strömten zusammen, um mich aus der Ferne zu begutachten. Hm, ein neues Piratentattoo, warum nicht? Schließlich fand ich etwas und machte mich wieder auf den Weg. Als ich mich auf dem Fahrrad nochmal umdrehte, stand dort die Truppe Kinder aufgereiht auf dem Erdwall und winkte mir hinterher.

Ich muss jetzt noch lachen, wenn ich daran denke. Und wenn ich darüber nachdenke, ist eigentlich ein ganz passendes Erlebnis für einen Pfingstsonntag. Ein Erlebnis, das einen Pfingstgedanken veranschaulicht. Da ist eine Gruppe Kinder, die verschiedener nicht sein kann. In dem Viertel, in dem sie wohnen, haben 70 % ihrer Altersgruppe einen Migrationshintergrund. Sie haben eine Idee, die sie wahnsinnig aufregend finden und die sie Tische und Stühle in Bewegung setzen lässt: Ein Flohmarkt. Das ist ihre Inspiration, das lässt sie zusammen arbeiten, das gibt ihnen Mut, zusammenzustehen und Fremde auf der Straße anzusprechen, und sich am Ende gemeinsam zu freuen. Sie wollen Leuten von ihrem Flohmarkt erzählen und sie daran teilhaben lassen.

Auch wenn der Vergleich an manchen Stellen hinkt, glaube ich, dass Pfingsten so etwas Ähnliches ausgelöst hat. Ein Haufen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung wird mit dem Heiligen Geist ausgestattet: Eine Quelle der Inspiration und Hoffnung, eine Idee, ein Mutmacher, durch den sie gemeinsam arbeiten wollen, durch den sie sich gemeinsam freuen können, und durch den sie andere am Projekt Gott teilhaben lassen wollen. Und am Ende wurde das Ganze Pfingsten genannt, und nicht Straßensperren-Gebüschflohmarkt-Fest. Hatte wohl praktische Gründe.

Ich habe übrigens eine Gesichtsmaske mit Kokos und Ananas erstanden – vegan, aber trotzdem nicht zum essen. Es sind zwei Portionen, falls mir also jemand Gesellschaft leisten will – meldet euch, solange der Vorrat reicht.

Einzelbeitrag-Navigation

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: